Lesesteinhaufen mit naturnaher Bepflanzung und angrenzender Blühfläche auf dem Vereinsgelände in Eichen
Auf dem Vereinsgelände im Wiesengrund wurde ein wunderbares Projekt verwirklicht. In Zusammenarbeit mit dem Obst- und Gartenbauverein Eichen 1902 e.V. wurde in wenigen Wochen ein naturnaher Lesesteinhaufen angelegt und bepflanzt. Ebenso wurde eine Saatgutmischung für eine Blühfläche ausgebracht.
Was ist eigentlich ein „Lesesteinhaufen“
Ein Lesesteinhaufen ist ein Haufen aus Steinen, die beim Bearbeiten oder Pflügen eines Feldes „gelesen“ (also eingesammelt) und an einer Stelle abgelegt wurden – meist am Feldrand oder auf unbrauchbaren Flächen. Diese Haufen entstehen besonders in landwirtschaftlich genutzten Gebieten mit steinreichen Böden.
Merkmale eines Lesesteinhaufens
- Entsteht durch das Einsammeln von Steinen von Äckern.
- Meist unregelmäßig geformt.
- Kann natürlich bewachsen sein.
- Besteht aus unterschiedlichen Gesteinsarten, je nach Region.

Ökologische Bedeutung
Lesesteinhaufen sind wichtige Biotope. Sie bieten vielen Tierarten Unterschlupf, darunter:
- Reptilien wie Eidechsen oder Schlangen
- Amphibien
- Kleinsäuger
- Insekten
- Vögel (z. B. als Nistplatz oder zur Nahrungssuche)
Viele Tiere sind wechselwarm, das heißt, sie können ihre Körpertemperatur nicht selbst regeln, wie wir Menschen. Dazu zählen Insekten, Amphibien und Reptilien. Diese nutzen insbesondere in den Vormittagsstunden die warmen Steine, um erst einmal auf Betriebstemperatur zu kommen. Wenn Gefahr droht, können sich die Tiere blitzschnell in den vielen kleine Hohlräumen zwischen den Steinen verstecken. Natürlich haben wir das Vereinsgelände nicht gepflügt, also mussten wir die verschiedenen Gesteinsarten für den Lesesteinhaufen beschaffen. Dazu aber gleich mehr.
Der Standort
Zunächst galt es, eine geeignete Fläche auf dem Vereinsgelände zu finden. Diese war schnell gefunden, bot sich doch der Bereich rund um das Schwalbenhaus perfekt dazu an. Ein „künstlicher“ Lesesteinhaufen wird idealerweise auf einer Nord-Süd-Achse errichtet. Der Standpunkt am Schwalbenhaus eignete sich daher perfekt. Nach der Fertigstellung würde sich der Lesesteinhaufen ideal mit den vom OGV bereits gepflanzten Obstgehölzen ergänzen.
Nach kurzen Gesprächen mit Vorstandsmitgliedern des OGV war die Umsetzung des Projekts beschlossen und so konnte es ans Werk gehen.
Anfang März 2025 – Der Lesesteinhaufen entsteht
Als erstes musste „schweres Gerät“ anrücken. Mit einem Minibagger, den uns die Firma Dillmann Garten- und Landschaftsbau GmbH aus Nidderau-Ostheim kostenlos zur Verfügung gestellt hat, wurde zunächst der Aushub vorgenommen. Es wurde eine Grube ausgehoben, die an der tiefsten Stelle über 80 cm tief ist. Dies war insofern sehr wichtig, da der Lesesteinhaufen auch als Überwinterungsquartier für z.B. Zauneidechsen und Ringelnattern dienen soll und erst bei dieser Tiefe die Frostfreiheit gewährt wird.
Geplant war, dass der Aushub in nördlicher Richtung aufgeschüttet und später bepflanzt wird. Leider kam beim Aushub keine Erde zum Vorschein, sondern massig Schotter und Bauschutt. Dieser wurde freundlicherweise ebenfalls von der Fa. Dillmann kostenlos abtransportiert und entsorgt.
Nun konnte der Lesesteinhaufen entstehen. Die Firma Garten Art Natursteinhandel GmbH aus Schöneck hat uns nicht nur zu einem Vorzugspreis geeignete Gesteinsarten empfohlen und diese geliefert, sondern stand uns auch mit Rat und Tat sowie praktischen Erfahrungen was den Bau des Biotops betrifft zur Seite. Des Weiteren konnten wir uns an einer großen Menge an Totholz kostenlos bedienen und dieses ebenfalls in den Lesesteinhaufen einarbeiten. Vielen Dank noch einmal für die großartige Unterstützung des Projektes durch die Firma Garten Art Garten- und Landschaftsbau GmbH aus Schöneck.
Zunächst wurde eine etwa 10 cm hohe Schicht aus durchlässigem Dolomitsplitt als Drainage in die Grube eingebracht.
Danach folgte eine Schicht aus schwarzem Basaltbruch. Vollendet und sichtbar wurde der Lesesteinhaufen durch Granit und bunten Rheinschiefer Bruchsteinen. Diese wurden bis zu einer Höhe von ca. 80 cm eingebaut. Wichtig war, dass beim Auffüllen mit den ca. 10 – 30 cm großen Steinen viele Hohlräume entstehen, welche den Tieren als Unterschlupf und Versteckmöglichkeiten dienen, oder aber auch als geschütztes Plätzchen für die Winterstarre oder den Winterschlaf.
Da, wie vorweg bereits erwähnt, keine geeignete Erde für die Nordseite des Lesesteinhaufens beim Aushub anfiel, hat uns wiederum die Fa. Dillmann kostenlos vier Kubikmeter feinen Mutterboden und fast 3 Kubikmeter Sand geliefert.
Etwa die Hälfte des Steinhaufens wurde mit dem Mutterboden bedeckt. So entstanden unterirdische Hohlräume. Rund um den gesamten Bereich wurde auf etwa 30 cm Tiefe der Sand eingebaut und stellenweise mit Erde vermischt. Diese sogenannten „Sandlinsen“ oder aber „Sandarium“ sind wichtige Brutstätten für zahlreiche Bienen- bzw. Insektenarten. Ebenfalls halten sich z.B. junge Zauneidechsen gerne in diesen Bereichen auf, um auf Nahrungssuche zu gehen.
Der Lesesteinhaufen samt Erdhügel und Sandlinse weist nun eine Fläche von ca. 10 m² auf.
Mitte April 2025 – Der Erdhügel wird bepflanzt
Nachdem alle Steine verbaut, die Erde aufgeschichtet und der Sand verteilt war, konnte es an die Bepflanzung gehen.
Mitglieder des OGV haben in einer Fachgärtnerei heimische, insektenfreundliche Pflanzen und Kräuter beschafft und diese auf dem Erdhügel angepflanzt.
Gepflanzt wurden:
- Teppich-Fettblatt
- Katzenminze
- Steinginster
- Herbst-Fetthenne
- Bartblume
- Thymian
- Salbei
- Säckelblume
- Blut-Storchschnabel
- Storchschnabel
- Lavendel
- Sonnenröschen
Ebenfalls wurde eine große, an den Lesesteinhaufen angrenzende Fläche mit Wildblumen-Samen eingesät. In Kombination entsteht hier ein wertvoller Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.
In naher Zukunft soll noch eine Infotafel mit interessanten Fakten zum Lesesteinhaufen für Interessierte aufgestellt werden.
Unsere Unterstützer
Solch ein Projekt lässt sich nicht umsetzen, wenn es nicht zahlreiche engagierte Mitglieder und finanzielle Unterstützer gäbe.

Mitglieder des Obst- und Gartenbauverein Eichen 1902 e.V. sowie der Vogelschutzgruppe Eichen 1988 e.V.


Unser ausdrücklicher Dank gilt:
Ebenso bedanken wir uns bei allen Vereinsmitgliedern, die dazu beigetragen haben, dass auf unserem Vereinsgelände ein Vorzeigeprojekt im Natur- und Artenschutz entstanden ist.
Des Weiteren gilt unser herzlicher Dank unserem Projektpartner, dem Obst- und Gartenbauverein Eichen 1902 e.V. für die Unterstützung und die sofortige Bereitschaft, dieses Projekt mitzugestalten.
